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GastautorenInnen auf undsoweiter.ch |
Bewegende Momente einer Trauerweide |
von ManuelaVerfasst: 18-jährigAlle Rechte bei der Autorin |
| Über mir ein sich im Wind wiegender Zweig einer Trauerweide. Still in seiner immer fortfahrenden Bewegung über Raum und Zeit. Ausgesetzt dem sich nie zur Ruhe begebenden Wetter. Manchmal werden nur einzelne Blätter spielerisch umhergeworfen, dann wieder einzelne Zweige. Manchmal scheint der ganze Baum in Aufruhr, als wolle er sich aus der Erde hinausarbeiten und davon eilen. Die Sonne spiegelt sich in den nie ruhenden Blättern, lässt den Baum weiss oder silbern, bis hin zu einem glänzenden Grün erscheinen. Der Stamm wirkt dunkel und schwer, standfest und sicher, und doch zerbrechlich, wenn ein Lichtstrahl ihn sachte berührt. Er wirkt lebendig mit seinen langen Armen, die den Boden streifen, als würden sie ihn liebkosen um dann wieder ohne Grund in die Höhe zu fahren, als ob sie zum Schlag ausholen würden. Sie sind unberechenbar und doch faszinierend. Er scheint graziös und tänzerisch, wenn die Sonne ihn bescheint, ihn lebendig macht. Kaum das letzte Licht ihn allerdings berührte, wird er zu Stein, so scheint es. Menschen machen einen grossen Bogen um das düster wirkende Riesengebilde, haben sie bei Tag doch noch darunter gesessen, den Schatten genossen und sich von den Zweigen streicheln lassen. Sich über ihren Anmut gefreut, ihre Bewegungsläufe beobachtet, welche sich nach belieben ändern. Die Weide wirkt traurig, abgeschlafft, ausgepumpt. Der Wind mag die zu Blei gewordenen, so scheint es, schweren Blätter nicht mehr hochheben. Lässt sie wie im Karussell langsam im Kreis herum wehen. Sie sträuben sich, weigern sich, schliesslich wollen sie schön elegant und faszinierend wirken, nicht wie eine dressierte Einheit. Sie sehen hilflos und traurig aus, scheinen aufgegeben zu haben. Doch dem Wind gefällt dies nicht. Er will keinen trostlosen Spielgefährten, zeigt seine ganze Macht, braust auf, wird laut, die Menschen fürchten sich, die Trauerweide nimmt keine Notiz. Scheint eingeschlafen zu sein, den Glauben an sich selber verloren zu haben, will aufgeben, in Ruhe gelassen werden, sich daran erinnern, wie es ist, lebendig und glücklich zu sein. Langsam streift ein silberner Schimmer die obersten Blätter, wandert langsam den Stamm hinunter, durchbricht die Monotonie der Karussells, des ewigen Daseins. Scheint der Weide eine Träne zu schenken, mit der all ihre Wut, Einsamkeit und Trostlosigkeit langsam im Boden versickern kann. Friedlich schaut sie aus, versucht, ihre müden, bleiernen Arme zu heben, danke zu sagen. Lässt sich vom Wind tragen, fühlt sich leicht und frei. Wirkt sanfter als am Tag, scheint sich zurechtgefunden zu haben. Die Energie des Mondlichts scheint unerschöpflich, wird von der Weide ausgenutzt bis aufs Letzte. Sie mag das Rampenlicht, liebt es, beschienen zu werden, findet Kraft und Geborgenheit, beschützt die Menschen, die unter sie kriechen, wirkt wie ein grosser Teddybär, der gerne Andere glücklich macht, ihnen Freude bereitet, mit seinem Stamm Tränen aufsaugt, beschützt und Mut gibt. Doch braucht auch die Weide Ansehen, muss bewundert werden, merken, dass man sie mag und will Wärme erhalten. Sie lauscht dem Rufen der Kinder, scheint fest auf ihrem Stamm zu stehen. Das Bild ihrer Bewegung vergisst man nicht: wie die Arme umher wirbeln, wie sie eine Botschaft auszusenden scheinen, wie sie einander berühren, sich ineinander schlingen, wie sie Macht ausstrahlen. Wie sich die Äste in Fangen spielende Kinder zu verwandeln scheinen, die einander immer und doch nie erwischen. |
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