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Grenchen

von Milena

Verfasst: 17-jährig

Alle Rechte bei der Autorin

“Industriestadt im Grünen” nennt sich Grenchen, und das mit Recht: Im schweizerischen Mittelland zentral gelegen, breitet sich die Stadt zwischen Jurakette und Aarelandschaft aus. Von den 2602 Hektar Gesamtfläche ist auch fast die Hälfte mit Wald bedeckt.

Grenchen zählt rund 16’250 Einwohner. Davon sind ganze 27% Ausländer aus etwa 73 verschiedenen Nationen. Es ist schon lange nicht mehr so, dass alle Grenchner in unserer Industrie tätig sind. Viele sind Pendler und arbeiten in Solothurn, in Biel oder gar in Zürich.

Grenchen ist verkehrstechnisch in guter Lage: Zwei Bahnhöfe, einer davon führt uns durch den Grenchentunnel nach Moutier, der andere nach Zürich oder Genf. Weiter haben wir einen Flughafen, welcher der kleinste der Schweiz ist. Nun gehört auch die neue A5 zum Grenchnerbild. Durch sie haben wir neben dem zurückgegangenen Verkehr in der Stadt auch gute Verbindungen in alle Richtungen.

Infrastruktur

Ausgezeichnete Schulungsstätten wie das Berufsbildungszentrum ergänzen die Infrastruktur, zu der auch ein Regionalspital und zwei moderne Alterspflegestätten gehören. Vor vielen Jahren schmückte sich Grenchen auch mit einem Kurhaus, das Bachtelenbad. In diesem heilenden Quellwasser badeten auch viele berühmte Männer. Doch als später modernere Badehäuser bekannt wurden, musste das Bachtelenbad geschlossen werden. Heute ist im Bachtelen ein Kinderheim und eine Sprachheilschule.

Auch betreffend Sport bietet Grenchen hervorragende Einrichtungen wie Tennishalle, Reithalle, Bocciahalle, Minigolf-Anlage, Frei- und Hallenbad, Fussball- und Leichtathletikstadion und sogar auch ein Kanuzentrum an der Aare. Der Grenchenberg bietet auch ein weites Wanderwegnetz und im Winter Skilifte.

Geschichte

Alte Ausgrabungen beweisen, dass schon in der Steinzeit die ersten Siedlungen in Grenchen standen. Später wohnten die Römer in Grenchen. Diese gaben dem damaligen Dorf den Namen “Grangia”, was “Kornhofen” oder “Scheune” bedeutet. Die Römer gaben uns nicht nur den Namen, sondern zogen auch die heute noch bestehenden Grenzen und Strassen. Ausserdem hat man viele alte Gemäuer von Gasthöfen und Landhäuser der Römer gefunden. Davon ist aber nur noch ein Römerbrunnen übriggeblieben. So lebten die grenchner Bauern viele Jahre in Ruhe und Frieden.

Im Jahre 1789 vernahm man erstmals von der Französischen Revolution. Viele Flüchtlinge kamen in diese Gegend und brachten immer neue Nachrichten. Zu Beginn des Jahres 1792 waren die Dörfer westlich von Grenchen in französischen Händen. Am 2. März standen sie vor dem sich in den Weg stellenden Grenchen. Andreas Hugi führte die Truppe und fügte den Franzosen schwere Verluste zu. Trotzdem waren sie zuwenig und konnten den Einzug ins Dorf nicht aufhalten. Doch auch zu dieser Zeit gab es Frauen-Power. Die Mutigsten waren Maria Schürer und Elisabeth Frei, welche vier Franzosen umbrachten und dabei selbst ums Leben kamen. Heute stehen in Grenchen Gedenksteine für die mutigen Frauen und Männer.

Um 1830 versteckten sich in Grenchen die grossen italienischen Revolutionäre Giuseppe Mazzini und die Gebrüder Ruffini. Diese wollten das damals noch in verschiedene Königreiche aufgeteilte Italien vereinen. Doch auf Grund dessen wurden sie verfolgt. Von Italien aus flüchteten sie nach Paris, später in das kleine und unbekannte Grenchen. Die Grenchner unterstützen sie und versteckten sie im Bachtelenbad. Von dort aus arbeitete Mazzini weiter für sein Ziel. Doch nach der Aufforderung der Nachbarstaaten, die Flüchtlinge auszuweisen, kamen nicht weniger als 120 Rekruten und 18 Soldaten sie holen. In Grenchen gab es einen Volksauflauf. Viele begleiteten die drei Flüchtlinge bis nach Solothurn, wo sie nach einem Tag wieder befreit wurden. Die Grenchner wollten den Männern das Bürgerrecht geben, was Solothurn jedoch nicht zuliess. So kam es, dass Mazzini weiter nach England floh, wo er viele Briefe nach Grenchen schrieb und später auch zu Besuch kam. Giuseppe Mazzini kämpfte sein ganzes Leben für die Einheit Italiens. Die Erfüllung seines Ziels hat er leider nicht mehr erlebt.

Nachdem Grenchen durch die Uhrenindustrie gewachsen war, fing man über einen Tunnelbau nach Moutier zu spekulieren. Die Blitzidee fand schnell Anklang unter den Bürger. Im Jahre 1911 gaben nun auch der Bund und der Kanton ihr Einverständnis. Dieser Bau zog viele Italiener nach Grenchen. Doch das Dorf fand keinen Platz, so wurde ein Arbeiterquartier, das Tripoli, gebaut. So kommt es, dass auch heute noch viele Italiener in Grenchen leben.

Industrie

Im Jahre 1850 zählte Grenchen 1423 Einwohner. Die Meisten von ihnen waren Bauern. Doch die Jungen fanden keine Arbeit mehr. Als man aber hörte, dass die Uhrenindustrie im Welschland aufkam, schickte man die jungen Burschen dort in die Lehre. Einer kam dann auf die Idee, die Uhrenindustrie auch in Grenchen einzuführen. So entstand der erste Uhrmacherbetrieb. Die heute noch bestehende Eta ist die älteste grenchner Uhrenfirma. So wuchs die Uhrenindustrie und es bildeten sich neue Fabriken wie Eterna, Certina, Fortis, Nivada, u.s.w., welche auf der ganzen Welt geschätzt waren. Doch gab es immer wieder Uhrenkrisen, das heisst, dass die halbe Stadt arbeitslos war. Daraus wurde gelernt und man eröffnete Betriebe in Bereichen des Maschinenbaus, des Apparate- und Werkzeugbaus, der Mikro- und Feinmechanik und der Drehteilfabrikation. Auch für die Zukunft sieht Grenchen grün. Viele Betriebe suchen in Grenchen ihr Glück.

Interview

Geführt wurde das Interview mit dem Vizestadtpräsident und Lehrer Kurt Seematter. (Unser Stadtpräsident wäre Boris Banga, der auch im Nationalrat vertreten ist.)

Sie kommen ursprünglich nicht aus Grenchen sondern aus dem Walliserdorf Törbel. Seit wann wohnen Sie in Grenchen?
Ich kam am 25. Juni 1973 nach Grenchen. Das sind jetzt schon mehr als 30 Jahre her.
Füühlen Sie sich als Grenchner?
Eigentlich wollte ich nur für kurze Zeit, drei bis vier Jahre, nach Grenchen kommen. Nun ist es eine so lange Zeit geworden. Jetzt muss ich sagen, ich kann mich ganz gut mit Grenchen identifizieren.
Was ist die Arbeit eines Vizestadtpräsidenten?
Man macht das, wozu der Stadtpräsident keine Zeit hat. Meistens sind das Sitzungen in Grenchen oder gar Eidgenössische Sitzungen, in denen ich Grenchen vertreten muss. Oder auch Delegiertenversammlungen oder Auftreten an öffentlichen Anlässen.
Wieviel Zeit beansprucht so ein Amt?
Das kann man nicht gut sagen, da es von Woche zu Woche verschieden ist. Das reicht von zwei Sitzungen in der Woche bis zu vier Sitzungen am Abend. Doch was man beachten muss: Dieser Job ist Freizeit. Ich arbeite zu 100% als Lehrer.
Was macht Grenchen zu Grenchen?
Bekannt wurde Grenchen sicher durch die Uhrenindustrie. Nun ist auch die Uhrenmacherschule in Grenchen, was schon lange an der Zeit gewesen wäre.
Was denken Sie, wenn Sie durch die Begegnungszone spazieren?
Wir bekommen viele Komplimente. Die Stadt ist nicht mehr durch Nord und Süd geteilt. Doch die Zone wird noch grösser und so ein richtiges Zentrum bilden.
Grenchen hat seit ein paar Jahren auch einen neuen Marktplatz. Dieser wurde zum Treffpunkt von Alkoholiker. Was denken Sie dazu?
Der Marktplatz ist öffentlich, man kann ihnen den Zugang nicht verweigern. Glücklicherweise gibt es nur wenige Sachbeschädigungen. Man versucht mit ihnen, aber auch mit den Geschäften rundherum zu sprechen. Vor dem Denner wollten wir einen Container für Flaschen hinstellen. Doch der Denner war dagegen. Diese Unterstützung bräuchten wir! Wie man in der Zeitung las, hat man im Herbst auf dem Marktplatz Boccia gespielt. Das ist der Sinn des Marktplatzes. Ein weiteres Problem sind aber auch die Skater. Diese üben unter dem Stadtdach, auf dem wohl ungeeignetesten Belag. Der Lärm stört viele Passanten. Deshalb will man nun auch einen Skaterpark in der Nähe der anderen Sportanlagen einrichten.
In Grenchen wohnen viele Ausländer. Sehen sie das als ein Problem für Grenchen?
Nein. Es sind nur einzelne Ausländer die Probleme machen. Sie können auch eine Bereicherung für unsere Stadt sein. Sie müssen sich einfach anpassen.
Wie sieht die Zukunft von Grenchen aus?
Viele Betriebe zieht’s nach Grenchen, denn die Lage ist ideal. Ich bin zuversichtlich!

Aufsatz: Mein Grenchen

Ist nun Grenchen ein “Kaff” wie viele es behaupten? Das Ziel dieser Arbeit ist, dieses Klischee aussterben zu lassen. Ist es mir gelungen? Das dürfen Sie nun selbst entscheiden.

So oder so, Grenchen ist meine Heimat. Soweit ich mich zurückerinnern kann, lebe ich in Grenchen. In Grenchen besuchte ich den Kindergarten, in dem ich alle Farben des Regenbogens kennen lernte. Auf einem grenchner Spielplatz brachte man mir das Fahrradfahren bei. Was für Freude herrschte, als ich endlich das rote “Welöli” weglegen durfte und wie strahlte ich, als ich die Fahrradprüfung, welche durch Grenchen führte, fehlerlos bestanden hatte. In einem der vier grenchner Schulhäuser lernte ich alle Buchstaben des Alphabets. Im selben Zimmer des selben Schulhauses, welches mit vielen von Eichhörnchen bewohnten Bäumen umschlossen war, lernte ich auch, wie man schriftlich multipliziert. Im grenchner Freibad war es, als ich die ersten Schwimmzüge alleine, ohne unterzugehen schaffte. Später sprang ich im gleichen Freibad das erste Mal vom Drei-Meter-Sprungbrett. Den ersten Kopfsprung wagte ich ab dem Hallenbadböckli, dieser Sprung fiel dann leider ziemlich flach aus. Im Musikladen Regenbogen kaufte ich mir das erste Robbie-Williams-Poster, die erste CD kaufte ich jedoch im ex libris. Auch das erste Mal ins Kino ging ich in Grenchen. Im Kino Rex lief damals “das Dschungelbuch”. Und so kaufte ich mir in Grenchen auch das erste Video. Nach der sechsten Klasse besuchte ich die grenchner Bezirksschule, wo ich dann auch meine erste “beste Freundin” hatte. In den alten Räumen dieses Schulhauses hatte ich zitternd meine ersten Vorträge. In der dazugehörenden Turnhalle brachte ich meinen ersten “12-Minüteler” hinter mich. Und vor diesem Schulhaus verabschiedete man mich, ende der neunten Klasse, aus der obligatorischen Schulzeit. Am grenchner Waldrand feierte ich dann auch die Schulschlussfeier, an diesem Waldrand, wo ich mehr als einmal mühsam alle Baum- und Sträucherarten auswendig lernte.

Diese grossen und wichtigen, oder kleinen und nutzlosen Ereignisse machen dieses Grenchen zu meinem Grenchen. Das ist das Grenchen, welches ich zwar sicher einmal verlassen, aber sicher nie vergessen werde. Denn dieses Grenchen ist meine Heimat, und nicht irgendein Kaff!



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