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Fäden, viele dünne Fäden, gespannt, vibrierend. Sie ziehen von irgendwoher
kommend auf der einen Seite in mich hinein und verlassen mich auf
der anderen Seite um irgendwo in der Unendlichkeit zu verschwinden.
Sie haben keinen Anfang, finden kein Ende. Dünne schwarze, weisse,
manchmal auch bunte Fäden, hart gespannt, durch ständiges Vibrieren
mit Emotionen geladen.
Unsichtbar, aber ich höre sie. Sie sind da.
Wenn
ich doch nur wüsste, woher sie kommen und wohin sie gehen. Wenn
ich doch nur wüsste, wer an ihren erahnten Enden so unnachgiebig
zieht, wer sie wie Saiten einer Gitarre spannt. Einige tönen nur
einmal, viele singen pausenlos. Nicht alle lauten sind die schönsten;
nicht alle leisen die angenehmsten. Oft vermag mein inneres Ohr
den Tönen nicht wehren, kann sich ihnen nicht verschliessen, muss
ihnen durch Dämpfen und Ordnen wehren. Muss. - Die kurzen Fäden
sind die hinterhältigsten: sie schreien nur einen einzigen, hohen
Ton in das wirre und laute Getöse der anderen hinein um dann sofort
zu zerreissen und feige ins Nichts zu entfliehen. Es ist ein unablässiges
Kommen und Gehen. Blitzschnelle Fliegende Wechsel. Manchmal mag
ich ihnen nicht mehr zuhören, möchte ihnen unbemerkt entkommen,
alle hinter mir zurücklassen. Doch sie sind nicht so leicht abzuschütteln,
fliegenhaft aufsässig, harzklebrig, bluteglig.
Unsichtbar,
aber ich höre sie. Sie sind da.
Ich
muss sie zu filtern versuchen, darf nicht alle auf mich einwirken
lassen, muss sie nach gut und böse ordnen, ihrer vermuteten Wirkung
nach gruppieren. Muss dabei viele unberührt kappen, andere zuerst
näher betrachten, sie auf Ursprung und Ziel hin untersuchen. Schliesslich
nur jene behalten, die zumindest einen lieblich harmonischen Laut
von sich geben. Möglich? Anstrengend wird's, und dauernd. Aber machbar.
Sie sind unsichtbar, aber ich höre sie. Sie sind da.
Ich will ihre Dissonanzen entschieden überhören, nicht jedem Klopfen
öffnen, nicht allen blind vertrauen; nur die wertvollen meinem Herzen
zuführen. Durch Ordnung zum Überblick; durch Überblick zum Weitblick;
durch Weitblick zur Weisheit. Ich will es. Selbst wenn sie immer
wieder kommen, ohne Anfang und ohne Ende.
Unsichtbar, aber ich höre sie. Sie sind da.
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